Gleich vorneweg: Es geht nicht um Whoo Whoo oder sonstige Schmafus. Es geht um Neurobiologie, um Resilienz und um echte Regeneration. Und darum, wie wir Selbstfürsorge, Balance und Leistungsfähigkeit neu denken.
Hätte mir jemand vor 26 Jahren geflüstert, dass ich mich beruflich mit Klang und Stress befasse, hätte ich milde gelächelt. Wahrscheinlich weniger nachsichtig, als sich das gerade liest. Klang hätte ich ausgeschlossen, weil sich das für mich nach unschönen Erfahrungen mit Gesanglehrern in der Schule anhörte und Stress, weil ich das Stressmanagement vom BWL-Studium im Ohr hatte. Beides nichts, was ich mir im beruflichen Alltag vorstellen hätte können. Auch heute nicht. Was hat sich also geändert?
Zum Einen hat meine Reise als Nervensystem-Expertin meinen Blick auf uns Menschen verändert. Zum Anderen haben meine eigenen Erfahrungen mit Klang und den tiefen Regenerationsmöglichkeiten mir eine neue Welt eröffnet. Eine Welt, zu der wir alle ganz einfach und natürlich Zugang haben und die Regulation neu definiert.
Klang kann – vorausgesetzt es wird professionell ausgeübt – tief regenerierende, meditative und Nervensystem regulierende Erfahrungen ermöglichen. Viele Teilnehmende meiner Klangangebote berichten zum Beispiel, dass sie noch nie oder schon lange nicht mehr so gut geschlafen hätten wie nach einer Klangerfahrung. Klang braucht auch keine Sprache oder Konzepte, die wir verstehen müssten. Klang erreicht uns an Orten, wo Worte nicht hinkommen und kann dadurch wertvolle Impulse in unseren Körper und unser Nervensystem geben, die wir im Alltag nicht vorfinden. Und wir müssen dafür nichts leisten, nichts tun.
Während einer Klangerfahrung liegen die Teilnehmenden bequem auf einer Matte oder sitzen alternativ in Sesseln. Während 40-60 Minuten werden sie mit Gongs, Klangschalen und anderen Instrumenten bespielt. Nicht in Form von Musik, wie wir sie kennen, sondern mit Rhythmen, die für unser Nervensystem regulierend wirken. Die Töne und Vibrationen, die der Körper dabei aufnimmt, lösen zahlreiche (neurobiologische) Reaktionen aus:
- Wir entspannen uns tief, weil sich unsere Gehirnwellen verlangsamen.
- Die Vibrationen aktivieren unser parasympathisches System und ermöglichen so Regeneration auf allen Ebenen.
- Häufig sinkt während einer Klangerfahrung der Spiegel des Hormons Cortisol, wodurch sich Anspannung lösen kann und das Stressniveau runterfährt.
- Da Klänge direkt aufs Autonome Nervensystem wirken können, verlangsamt sich auch die Herzfrequenz und die Verdauung wird gefördert.
- Muskuläre und emotionale Spannungen können sich lösen.
- Beruhigende Neurotransmitter werden ausgeschüttet, was den Schlaf verbessern kann.
Gerade Schlafstörungen sind heute ein grosses Thema in meiner Praxis, aber auch im Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Schlafstörungen sind eine typische Folge von einem dauerhaft erhöhtem Stresslevel und chronisch dysreguliertem Nervensystem. Gleichzeitig erhöht Schlafmangel den Stress im Körper. Wer nicht gut schläft, erholt sich nicht ausreichend, ist emotional weniger belastbar, kann sich weniger gut konzentrieren, macht mehr Fehler, kreist schneller im Gedankenkarussell und schläft wiederum schlechter.
Wenn Klang diesen Teufelskreis durchbrechen, wenn er die körperliche und mentale Gesundheit stärken sowie Stressbelastung reduzieren kann, sollten wir das in privaten und beruflichen Kontexten als Ressource nutzen. Im betrieblichen Umfeld bieten sich verschiedene Klang-Möglichkeiten für vielfältige Bereiche an, zum Beispiel
- Burnout- und Stress-Prävention
- massgeschneiderte Kurse im Betrieblichen Gesundheitsmanagement
- als Unterstützung bei Leadership Retreats oder Teamanlässen
- kreative Workshops und Wellbeing Days
Künftig werden wir Nervensystem-Pausen, Selbstfürsorge und Ausgleich viel mehr am Arbeitsplatz leben dürfen, vielleicht sogar müssen, um den Anforderungen des Berufslebens zu begegnen. Und zwar ganz praktisch, mit einfachem Zugang und schnell umsetzbar. Klang ist dabei natürlich nur eine, aber zentrale Komponente. Weil sie wirkt. Auf unser Nervensystem.
PS: Klang kann uns auch aktivieren oder Prozesse anstossen. Deshalb sind eine solide Ausbildung, eine fundierte Kenntnis vom Nervensystem sowie Erfahrung in der Arbeit mit Menschen zentrale Voraussetzungen.
